Gemälde von Caspar David Friedrich mit dem Titel: »Das Riesengebirge«, geschaffen um 1830-1835

Öl auf Leinwand

102 x 72 cm


Inv. Nr.: A I 1079

Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Das Riesengebirge, um 1830-1835
Caspar David Friedrich

Obwohl Friedrich nur einmal im Leben das Riesengebirge durchwanderte, sollten die Erlebnisse dieser Reise noch Jahre danach in seinen Bildern Niederschlag finden. Im Juli 1810 war er mit seinem elf Jahre jüngeren Malerfreund Georg Friedrich Kersting zu Fuß von Dresden aufgebrochen. Der Weg führte über das Zittauer und das Isergebirge über den Kamm des Riesengebirges bis hin zur höchsten Erhebung, der Schneekoppe. In zahlreichen Skizzen und Zeichnungen hielt Friedrich seine Eindrücke fest. Nahsichtigen Detailstudien von Bäumen und Felsbrocken widmete er sich ebenso wie den Höhenzügen ferner Gebirgskämme, ausgeführt in Bleistift, Feder und Aquarell.
Das erste, bald nach der Rückkehr entstandene Gemälde war das bedeutende großformatige Werk »Morgen im Riesengebirge«, in dem sich zahlreiche Bergrücken wie Wellenkämme des Meeres unendlich in die Tiefe erstrecken (1810/11, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg).
Rund zwei Jahrzehnte später, zwischen 1830 und 1835, entstand die vom intensiven Abendlicht beherrschte Landschaft »Das Riesengebirge«. Mit einer quadrierten, präzise ausgeführten Federzeichnung (Standort unbekannt) hatte Friedrich die Komposition vorbereitet. Diese Zeichnung könnte Christina Grummt zufolge nach der Besteigung der Schneekoppe am Abend des 11. Juli 1810 entstanden sein (C. Grummt, Caspar David Friedrich, Die Zeichnungen, Das gesamte Werk, Bd. 2, Nr. 634). Dargestellt ist der Blick von der auf dem Koppenplan liegenden Wiesenbaude unterhalb der Schneekoppe in Richtung Südwesten über den Ziegenrücken zum Jeschken, dem höchsten Berg Nordböhmens.
Im Dunst des Sonnenunterganges sind die Höhenzüge bis zum Horizont in sich hebende und senkende Schichtungen gestaffelt. Aus den Tälern steigt Abendnebel auf. Die in farbige Streifen gegliederten Bergrücken gehen mit zunehmender Entfernung immer mehr in helles Grau über, in dem sich schließlich die Materialität der fernen Gipfel aufzulösen scheint. Darüber wölbt sich ein zwischen Orange und Gelb leuchtender Abendhimmel. Aus dem Gegenüber der nahsichtigen Felsstrukturen des Vordergrundes und der entrückten Ferne des grenzenlos wirkenden Naturraum erwächst eine suggestive Spannung. Herrscht zunächst der Eindruck vollkommener Einsamkeit so ist bei näherem Hinschauen rechts die Gestalt eines an einem Felsen lehnenden Wanderers zu erkennen, möglicherweise eine Anspielung auf den Reisebegleiter Kersting. Bereits um 1823 hatte Friedrich denselben Ausblick für den Hintergrund seines Gemäldes »Der Morgen im Gebirge« gewählt (Öl auf Leinwand, 135 x 170 cm, Staatliche Eremitage, St. Petersburg). | Birgit Verwiebe

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Bildnachweis
Andres Kilger
Lizenz
Public Domain Mark 1.0